“On the swiss trail of Thomas Cook Internationale Pauschalreisen: 1863 – 2020”
[Fotografie, Collage, Zeichnung, digitale Zeichnung]


„Der Tourist zerstört was er sucht, indem er es findet.“ (H. M. Enzensberger)
Das soziologische und räumliche Dilemma des Zitats, ist Gegenstand der künstlerischen
Forschung von Catherine Ludwig.
Sie untersucht in transmedialen Arbeiten globale Phänomene von kollektivem Freizeitverhalten
und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Natur.
Thomas Cook, ein baptistischer Geistlicher und britischer Tourismus-Pionier war
der Begründer der Pauschalreise, sowie der Gründer des Reiseunternehmens,
der Thomas Cook Group PLC. Dieser multinationale Reisekonzern meldete im
September 2019 Insolvenz an. Somit ist das wohl bekannteste
Pauschalreisenunternehmen nun auch Geschichte...


Die erste Rundreise außerhalb Englands plante Cook im Sommer 1863.
Die Reiseroute ging von London über Paris, weiter nach Chamonix durch die
Schweizer Alpen. Geleitet wurde die Reise von Thomas Cook, der bereits in
Martigny wieder die Gruppe verließ, um sich seinen Geschäften in England zu
widmen. Mit dabei waren außerdem die Künstlerin Jemima Morell, sowie Mitglieder
der aufstrebenden Mittelschicht des britischen Junior United Alpine Clubs.
Das choreografierte Ende der 12-tägigen Reise war der legendäre
Sonnenaufgang auf der Rigi. Das Reisetagebuch Morells anlässlich dieser ersten
internationalen Pauschalreise der Welt (zu Fuß, per Kutschen, mit Dampfern &
Maultieren) bildet daher, als ein wichtiges textliches und bebildertes Journal von
Beobachtungen aus der Frühzeit, den organisierten Tourismus ab.
Das Reisetagebuch ist einerseits ein gesellschaftliches Dokument, andererseits
auch ein naturwissenschaftliches, da sich die Bergwelt in den letzten 156 Jahren
aufgrund der ansteigenden Temperaturen erheblich verändert hat.


Im Sommer 2019 reiste Catherine Ludwig mit einer kleinen Gruppe für knapp zwei
Wochen große Teile der Reiseroute von 1863 nach, aber nicht in Kutschen, oder
mit der Bahn, sondern mit einem Campingwagen und zu Fuß. Genächtigt wurde
auf Campingplätzen, nicht in Hotels, wie damals die betuchte, britische
Reisegruppe im Jahr 1863.
Ein großer Unterschied heute zu damals ist ein quantitativer: es gibt nun, der
Klimaerwärmung geschuldet, beachtlich weniger Schnee, Eis und Permafrost auf
Gletschern und den Bergen, dafür umso mehr Touristen: aus dem arabischen
Raum, Inder und Chinesen und vereinzelt auch wohlhabende Touristen aus
Westeuropa...

Mit freundlicher Unterstützung des Bundeskanzleramts Sektion II - Kunst & Kultur